Berufskrankheiten

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Herausgeber:
Landesamt für Gesundheit und Arbeitssicherheit
des Landes Schleswig-Holstein
Adolf-Westphal-Straße 4
24143 Kiel

Dezernat Arbeitsmedizin, Telefon: (0431) 988-5319
E-Mail: poststelle@lgash-ki.landsh.de

Text: Jürgen Petersen, Regierungsmedizinaldirektor a. D.

Zuständig für diese Verordnung:
Landesamt für Gesundheit und Arbeitssicherheit
des Landes Schleswig-Holstein


März 2004

Die Druckschrift "Berufskrankheiten" wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der schleswig-holsteinischen Landesregierung herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Personen, die Wahlwerbung oder Wahlhilfe betreiben, im Wahlkampf zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf diese Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesregierung zugunsten einzelner Gruppen verstanden werden könnte. Den Parteien ist es gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder zu verwenden.

Berufskrankheiten - Einführung in die Thematik

Berufskrankheiten - darunter sind Erkrankungen zu verstehen, die im Zusammenhang mit einer Erwerbstätigkeit bei der Arbeit entstehen. Am Arbeitsplatz chronisch einwirkende Gesundheitsgefahren sind in ihren Folgen im Gegensatz zu den akuten Einwirkungen und ihren Folgen (Arbeitsunfälle) schwieriger abzuklären und zu verhüten. Im allgemeinen Krankheitsfall sind Krankenkassen und Rentenversicherungsträger die Partner der niedergelassenen Ärzte. Bei Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren jedoch sind die Unfallversicherungsträger die geeigneten Ansprechpartner als Kostenträger. Hierbei sollte den Patienten Unterstützung durch den behandelnden Arzt gewährt werden.

Listenkrankheiten

Insbesondere bei den oft langen Latenzzeiten bis zu einer Manifestation ist eine wesentliche Voraussetzung für eine zielgerichtete Prävention die Kenntnis über die Berufskrankheit und ihre Entstehung. Es handelt sich hierbei um Erkrankungen, die erwiesenermaßen mit Einwirkungen am Arbeitsplatz bzw. bei der beruflichen Tätigkeit in ursächlichem Zusammenhang stehen, und die im Anhang der Berufskrankheitenverordnung als sogenannte "Listenkrankheiten" aufgeführt sind. Seit 1925 hat sich diese Liste mit Beratung durch einen Ärztlichen Sachverständigenbeirat (ÄSVB) beim Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) von anfänglich elf auf zur Zeit achtundsechzig Berufskrankheitenziffern vergrößert. Darunter sind Krankheitsgruppen wie Infektionskrankheiten, obstruktive Atemwegserkrankungen und Hauterkrankungen aufgelistet. Der ÄSVB erarbeitet des weiteren die wissenschaftlichen Begründungen und die Merkblätter zu den einzelnen Berufskrankheiten, die als Hilfsmittel zum Erkennen der Berufskrankheit und deren Meldung dienen sollen.

Dieser Text versucht durch Kurzfassung der Berufskrankheiten-Merkblätter und ergänzende Hinweise den niedergelassenen Ärzten bei der Erkennung und Meldung einer Berufskrankheit eine zusätzliche Hilfe zu sein.

Entschädigung, Prävention

Neben den Listenkrankheiten hat der Unfallversicherungsträger nach § 9 Abs. 2 SGB VII unter bestimmten Voraussetzungen auch berufsbedingte Erkrankungen zu entschädigen, welche "die formalen und inhaltlichen Kriterien eines Berufskrankheiten-Tatbestandes der Anlage zur BKV" zwar nicht, jedoch nach neuen Erkenntnissen die übrigen Voraussetzungen erfüllen.

Generell ist der Unternehmer zur Prävention vor Folgen schädlicher Einwirkungen am Arbeitsplatz verpflichtet. Im Einzelfall hat der Verordnungsgeber auch dem zuständigen Unfallversicherungsträger die Pflicht auferlegt, "mit allen geeigneten Mitteln" dem Entstehen, dem Wiederaufleben und der Verschlimmerung einer Berufskrankheit entgegenzuwirken (§3 BKV). Auch hat er (als Versicherung des Unternehmers) bei Unterlassung der gefährdenden Tätigkeit dem Versicherten wirtschaftliche Nachteile auszugleichen. Nicht zuletzt geht es bei anerkannter Berufskrankheit um eine Entschädigung, die im Todesfall des Versicherten auch die Hinterbliebenen betreffen kann. Meldepflicht Der Verordnungsgeber hat Ärzte und Zahnärzte verpflichtet, "bei begründetem Verdacht" eine Berufskrankheit unverzüglich anzuzeigen (§ 202 SGB VII, Unfallversicherungs-Anzeigeverordnung). Adressaten sind der für den Betrieb des Patienten zuständige Unfallversicherungsträger und/oder "die für den medizinischen Arbeitsschutz zuständige Stelle" (in Schleswig-Holstein: Landesgewerbearzt, Landesamt für Gesundheit und
Arbeitssicherheit, Adolf-Westphal-Straße 4, 24143 Kiel).
Bei der häufigen Berufskrankheitengruppe der Hauterkrankungen ist in der Regel zu prüfen, ob der Patient nicht dem speziellen "Hautarztverfahren" der Unfallversicherungsträger zur Abwendung einer Berufskrankheit (die in diesem Fall mehrere Kriterien erfüllen muss) zuzuführen ist.
Arbeitsämter und Krankenversicherungen wurden gleichfalls vom Verordnungsgeber verpflichtet, bei Annahme, "dass bei einem Versicherten eine berufsbedingte gesundheitliche Gefährdung oder eine Berufskrankheit vorliegt", dies dem zuständigen Unfallversicherungsträger und/oder auch der für den medizinischen Arbeitsschutz zuständigen Stelle mitzuteilen
(§20 SGB V, §§22,23 SGB III). Bei den Ermittlungen im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens befragt der Unfallversicherungsträger unter anderem die jeweilige Krankenversicherung und die vom Versicherten angegebenen Ärzte zu den relevanten Krankheitsverläufen. Auch kann der zuständige Gewerbearzt zusätzliche Ermittlungen veranlassen. Bei möglichen Sozialgerichtsverfahren können ärztliche Sachverständige ergänzend Stellung nehmen und auch eine erneute Befragung der behandelnden Ärzte veranlassen.

Das Formblatt für eine ärztliche Berufskrankheiten-Anzeige, für die der Arzt eine Gebühr abrechnen kann, ist von folgendem Verlag zu beziehen:

L.Düringshofen
Seesener Straße 57
10709 Berlin

Telefon: (030) 8927307

Im Internet: www.dgaum.de

Die Homepage der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin befindet sich bei der Universität Rostock.

Abkürzungen


Listenkrankheiten

(Anlage zur Berufskrankheitenverordnung)

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Chemische Einwirkungen als Ursache der Erkrankung (Stichwort)
1101 Blei Seite laden
1102 Quecksilber Seite laden
1103 Chrom Seite laden
1104 Cadmium Seite laden
1105 Mangan Seite laden
1106 Thallium Seite laden
1107 Vanadium Seite laden
1108 Arsen Seite laden
1109 Phosphor Seite laden
1110 Beryllium Seite laden
1201 Kohlenmonoxid Seite laden
1202 Schwefelwasserstoff Seite laden
1301 Aromatische Amine (Harnwege) Seite laden
1302 Halogenkohlenwasserstoffe Seite laden
1303 Benzol, seine Homologe, Styrol Seite laden
1304 Nitro- oder Aminoverbindungen des Benzols oder seiner Homologe Seite laden
1305 Schwefelkohlenstoff Seite laden
1306 Methylalkohol (Methanol) Seite laden
1307 Organische Phosphorverbindungen Seite laden
1308 Flour Seite laden
1309 Salpetersäureester Seite laden
1310 Halogenierte Alkyl-, Aryl- oder Alkylaryloxide Seite laden
1311 Halogenierte Alkyl-, Aryl- oder Alkylarylsulfide Seite laden
1312 Zahnerkrankung durch Säuren Seite laden
1313 Benzochinon (Hornhaut am Auge) Seite laden
1314 para-tertiär-Butylphenol Seite laden
1315 Isocyanate Seite laden
1316 Dimethylformamid (Lebererkrankungen) Seite laden
1317 Organische Lösungsmittel (Polyneuropathie,
Enzephalopathie)
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Physikalische Einwirkungen als Ursache der Erkrankung (Stichwort)
Mechanische Einwirkungen:
2101 Sehnenscheiden, Sehnengleitgewebe, Sehnen- oder Muskelansätze Seite laden
2102 Meniskusschäden Seite laden
2103 Erschütterung (Druckluftwerkzeuge u.a.) Seite laden
2104 Vibration (Durchblutungsstörung an den Händen) Seite laden
2105 Ständiger Druck (chronische Schleimbeutelerkrankung) Seite laden
2106 Druckschädigung der Nerven Seite laden
2107 Abrissbrüche der Wirbelfortsätze Seite laden
2108 Schwere Lasten (bandscheibenbedingte LWS-Erkrankungen) Seite laden
2109 Schwere Lasten (bandscheibenbedingte HWS-Erkrankungen) Seite laden
2110 Ganzkörperschwingungen (bandscheibenbedingte LWSErkrankungen) Seite laden
2111 Quarzstaub (Zahnabrasionen) Seite laden
Druckluft:
2201 Arbeiten in Druckluft Seite laden
Lärm
2301 Lärmschwerhörigkeit Seite laden
Strahlen
2401 Wärmestrahlung (Grauer Star) Seite laden
2402 Ionisierende Strahlen Seite laden
Erkrankungen, verursacht durch Infektionserreger oder Parasiten (Stichwort)
3101 von Menschen auf Menschen übertragen (Gesundheitsdienst u.a.) Seite laden
3102 von Tieren auf Menschen übertragen Seite laden
3103 Wurmkrankheit der Bergleute Seite laden
3104 Tropenkrankheiten Seite laden
Erkrankungen der Atemwege, der Lungen, des Rippenfells und des Bauchfells , verursacht durch anorganische Stäube (Stichwort):
4101 Quarzstaub (Silikose) Seite laden
4102 Quarzstaub (Siliko-Tuberkulose) Seite laden
4103 Asbeststaub (Erkrankungen an Lunge und Pleura) Seite laden
4104 Asbeststaub (Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs) Seite laden
4105 Asbeststaub (Mesotheliom, Rippenfell, Bauchfell, Perikard) Seite laden
4106 Aluminiumstaub (tiefere Atemwege und Lungen) Seite laden
4107 Hartmetallstäube (Lungenfibrose) Seite laden
4108 Thomasmehl = Thomasphosphat Seite laden
4109 Nickelstaub (bösartige Neubildungen an Atemwegen und Lungen) Seite laden
4110 Kokereirohgase (bösartige Neubildungen an Atemwegen und Lungen Seite laden
4111 Feinstaub im Steinkohlebergbau (chron. obstrukt. Bronchitis, Emphysem) Seite laden
4112 Quarzstaub (Lungenkrebs bei Silikose oder Siliko-Tuberkulose) Seite laden
4201 exogen-allergische Alveolitis Seite laden
4202 Rohbaumwolle-, Rohflachs-, Rohhanfstaub (tiefere Atemwege und Lungen) Seite laden
4203 Eichen- und Buchenholzstaub (Adenokarzinom der Nase) Seite laden
obstruktive Atemwegserkrankungen, verursacht durch:
4301 allergisierende Stoffe (einschließlich Rhinopathie) Seite laden
4302 chemisch-irritativ oder toxisch wirkende Stoffe Seite laden
Hautkrankheiten:
5101 schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen Seite laden
5102 Hautkrebs und Präkanzerosen durch Ruß, Rohparaffin, Teer, nthrazen, Pech oder ähnliche Stoffe Seite laden
Krankheiten sonstiger Ursache
6101 Augenzittern der Bergleute Seite laden

"Anerkennung als Versicherungsfall wie eine Berufskrankheit"
(Quasi-BK)



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